27.11.2006

Burnout - eine Krankheit unserer Zeit

"Ich fühle mich ausgebrannt, ausgelaugt, völlig erschöpft ..." Wer hat ähnliches nicht schon einmal von sich selbst gesagt oder andere sagen hören? Dies ist ein häufiges Problem unserer schnelllebigen leistungsorientierten Zeit, in der wir vielfachen Ansprüchen ausgesetzt sind, denen wir manchmal nur schwer gerecht werden können. Ist die Belastung nur kurzzeitig, stellt dies kein größeres Problem dar. Wenn aber Dauer-Überlastungen bestehen, kann dies zu "Burnout" führen. Insofern kann Burnout nicht nur als individuelles Problem, sondern muss als aktuelles, sich zunehmend ausbreitendes gesellschaftliches Phänomen angesehen werden.

Was ist Burnout?

Nach Zusammenfassung gängiger Definitionen ist Burnout ein Zustand körperlicher und psychisch-emotionaler Erschöpfung sowie Energieverlust, der sich in vielfältigen psychischen und psychosomatischen Reaktionen zeigt (s. u. Folgen von Burnout) und negative Auswirkungen auf Arbeitsleistung, psychisches Wohlbefinden und Selbstbild, Werte, Verhalten und die soziale Umgebung haben kann.

Woher kommt Burnout?

Von dauerhaftem übermäßigen Stress, der vom Individuum nicht mehr bewältigt werden kann. Stressoren (= Stressauslöser) sind vielfältig und individuell unterschiedlich. Hier einige typische problematische Stressoren unserer heutigen Zeit:
- zu viele Aufgaben, Mehrfachbelastung, Rollenkonfusion (z.B. die perfekte Hausfrau, Mutter, Ehefrau und Berufstätigkeit)
- Zeitdruck
- Informationsmangel
- wenig Kontrolle über den Arbeitsverlauf
- unklare Zielvorgaben
- perfektionistische Ansprüche, Leistungsdruck
- Zukunftssorgen (z.B. Angst um Arbeitsplatzverlust, finanzielle Sorgen)
- Über- und Unterforderung
- mangelnde Anerkennung
- keine ausreichende Eigenmotivation zur Arbeit
- psychosoziale Konflikte
- kritische Lebensereignisse (Veränderungen, Verlusterlebnisse)
- Reizüberflutung
- Lärm
- Mobilitätsanforderung
- Menschendichte
- Mangel an sozialer Unterstützung und Gemeinschaft, Einsamkeit
Dies sind nur einige typische Beispiele, Ihre individuellen Stressoren können auch anders aussehen!

Was sind die Folgen von Burnout?

Typische Symptome zeigen sich auf der körperlichen, psychischen und sozialen Ebene und bedingen vielfache Probleme:
- Erschöpfungsgefühle
- Psychosomatische Beschwerden wie Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Magen-Darm-Störungen, Infektanfälligkeit, Verspannungen, Schmerzen
- Schlafstörungen
- Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, daher Leistungsabfall
- "Leere im Kopf", Denkblockaden, aber auch "Gedankenrasen", Grübeln
- depressive Verstimmung, Gefühle von Niedergeschlagenheit und Hoffnungslosigkeit
- Gefühl innerer Leere, emotionalen "Abgestorbenseins"
- Reizbarkeit, Aggressivität
- Gefühle der Sinnlosigkeit
- negative Gedanken und Einstellungen, Zynismus
- Suchtentwicklung (Alkohol, Medikamente, Essen ...)

Wenn Ihnen einige dieser Symptome vertraut vorkommen, wird es Zeit, etwas zu unternehmen. Aber was?

Bewältigungsmöglichkeiten von Burnout

Zunächst ist es wichtig, eine individuelle Bestandsaufnahme zu machen: Welches sind Ihre gravierendsten Stressoren bzw. Probleme? Erstellen Sie eine Liste und beschreiben Sie diese so konkret wie möglich. Dann überlegen Sie, auf welche Stressoren Sie Einfluss nehmen könnten und was Sie daran ändern könnten.
Eine weitere wichtige Bestandsaufnahme besteht in der Analyse eigener stressfördernder Einstellungen (wie z.B. ein überhöhter Anspruch an sich selbst, übermäßige Verantwortungsübernahme, extrem strenges Pflichtbewusstsein ...). Wenn Sie solche bei sich identifizieren, sollten Sie überlegen, wie Sie diese ändern könnten. Sprechen Sie auch mit anderen Menschen darüber!
Schließlich sollten Sie auch eine Liste Ihrer individuellen Stressbewältigungsmöglichkeiten erstellen. Welche Stärken haben Sie, die Sie dazu nutzen könnten (= "Ressourcen") - seien es eigene Stärken oder Unterstützung in Ihrer sozialen Umwelt? Welche könnten Sie noch weiterentwickeln? Welche Unterstützungsmöglichkeiten könnten Sie aktivieren? Und welche Möglichkeiten haben Sie aufzutanken, sich zu regenerieren (z.B. Entspannung, Freizeitaktivitäten, Hobby, soziale Kontakte, Sport ...)?
Wenn Sie bei der Lösung dieser Fragen selbst nicht weiter kommen, gibt es verschiedene Hilfsmöglichkeiten:
1. Kurse zum Thema Stressbewältigung und Entspannung bieten z.B. Volkshochschulen und Krankenkassen an. Vielfach werden die Kostsen von den Krankenkassen bezuschusst. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Krankenkasse!
2. Auch Literatur und Internet bieten vielfache Hilfe zum Thema (z.B. www.hilfe-bei-burnout.de, "Stressbewältigungstraining" nach Kaluza, Entspannungs-CDs oder -kassetten ...)
3. Erholung und langfristige Hilfe kann z.B. eine psychosomatische Kur bringen. Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt über diese Möglichkeit!
4. Wenn Ihr individuelles Problem gravierend und für Sie alleine nicht mehr lösbar ist, sollten Sie sich nicht scheuen, Hilfe bei einem niedergelassenen Psychotherapeuten zu suchen. Die Kosten übernimmt Ihre Krankenkasse. Listen bekommen Sie bei den Kassenärztlichen Vereinigungen (KV, auch im Internet vertreten), im Branchenbuch sowie in Internet-Listen (z.B. www.therapie.de).

Mehr zum Thema "Stressbewältigung" nach Kaluza im nächsten Beitrag!

Autor :
Lydia Schwonke
Psychologische Psychotherapeutin
Aachener Str. 86
50389 Wesseling