19.12.2006

Stressbewältigung

Nach dem letzten Artikel über Burn-out jetzt wie angekündigt ein Beitrag über das Stressbewältigungstraining nach Kaluza.

Das Stressbewältigungstraining nach Kaluza stammt aus der Kognitiven Verhaltenstherapie, und seine Effektivität ist inzwischen wissenschaftlich so gut belegt, dass entsprechende Kurse von den meisten Krankenkassen als Gesundheitspräventionsmaßnahme bezuschusst werden.

Das Training basiert auf der sog. „Ampeltheorie“ über Stress:

1. Stress wird ausgelöst durch einen Stressor (= Stressauslöser), der meist von außen kommt. Stressoren können vielfältig sein: z.B. Zeit- und Termindruck, zu viele Aufgaben auf einmal, Lärm und Reizüberflutung, mangelnde Anerkennung, psychosoziale Konflikte, aber auch existentielle Sorgen (z.B. materiell, um den Arbeitsplatz) und vieles mehr.
2. Wie ein Stressor wirkt, kann individuell sehr unterschiedlich sein und hängt von persönlichen Einstellungen, Fähigkeiten und Vorerfahrungen ab. In unserem Kopf geschieht nun ein „Bewertungsprozess“: Ich schätze zum einen die stressauslösende Situation ein: Bewerte ich sie positiv oder negativ, als Herausforderung, Überlastung und Überforderung, als Entwicklungschance oder als zu viel, als Belastung oder als lästig? Zweitens schätze ich meine eigenen Bewältigungsfähigkeiten ein: Wie groß ist meine Chance, die Situation positiv zu bewältigen? Je nach Ergebnis dieses Bewertungsprozesses wird sowohl die individuelle Stresswahrnehmung und die davon ausgelösten Empfindungen als auch der Umgang mit der Situation unterschiedlich aussehen.
3. Als Reaktion auf Stress erfolgt automatisch eine körperliche und psychische Aktivierung. Wenn die bereitgestellte Energie konstruktiv in Bewältigung umgesetzt werden kann, wird dies positiv wahrgenommen und es erfolgt keine Gesundheitsbeeinträchtigung. Wenn jedoch die Energie nicht abgebaut werden kann, folgen langfristig Erschöpfung, Burn-out, Reizbarkeit und/oder Depressivität sowie psychosomatische Erkrankungen.

Was bedeutet dies für die Stressbewältigung?

Sie kann an allen drei Punkten der "Ampel" ansetzen, wie dies im Stressbewältigungstraining nach Kaluza auch geschieht.

1. Veränderungen am Stressor:
- Problemlösetraining: Es werden eigene Möglichkeiten zur langfristigen Veränderung der stressauslösenden Situation gesucht. Hierbei ist es wichtig, zunächst ein "Brainstorming" durchzuführen, alle Möglichkeiten zuzulassen, ohne zu bewerten, und auch andere Personen hierzu zu befragen, um auf neue Ideen zu kommen (im Stressbewältigungstraining geschieht dies durch Gruppeneffekte automatisch, die sehr positiv sein können!). Im zweiten Schritt werden die Änderungsmöglichkeiten dann bzgl. Durchführbarkeit und Erfolgsaussichten bewertet. Nicht von vornherein alles abwerten, manchmal geht probieren über studieren!
- Zeitmanagement, Prioritäten setzen, Ziele klären, vernünftig planen
- "Nein-Sagen-Können", um Überlastungen durch Überansprüche von außen zu vermeiden
2. Veränderungen am Bewertungsprozess: "Kognitive Umstrukturierung" heißt diese Technik in der Fachsprache der Kognitiven Verhaltenstherapie. Dies bedeutet, dass eigene stressfördernde Einstellungen identifiziert, hinterfragt und verändert werden. Dies können z.B. übermäßiger Perfektionismus, zu großes Verantwortungs- und/oder Pflichtbewusstsein, nicht Delegieren und Abgeben können oder pessimistische Einschätzung eigener Fähigkeiten und resignative Haltung sein. An deren Stelle werden dann positivere Einstellungen gesetzt.
3. Veränderungen an der Stressreaktion:
- Sport und Bewegung zum Abbau der bereitgestellten Energie und als Ausgleich
- Entspannungstraining zur Beruhigung der Stressreaktion: Im Stressbewältigungstraining nach Kaluza wird hier die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen durchgeführt, es ist jedoch prinzipiell jede individuell wirksame Entspannungsmethode denkbar (Atemtechniken, Autogenes Training, Yoga, Meditation ...)
- Ablenkung, Angenehme Aktivitäten und Genuss, sozialer Rückhalt als Regenerierungsmöglichkeiten. Im Stressbewältigungstraining werden hier Elemente des Genusstrainings als Möglichkeit zur Verbesserung der Genussfähigkeit im Alltag eingeführt.

Für akute Notfälle werden außerdem entsprechende Strategien vorgeschlagen.

Entsprechende Kurse werden von Volkshochschulen, Krankenkassen und anderen Erwachsenenbildungs- und Gesundheitsförderungsinstitutionen angeboten.
Erkundigen Sie sich bzgl. Möglichkeit der Bezuschussung bei Ihrer Krankenkasse!

Autor :
Lydia Schwonke
Psychologische Psychotherapeutin
Aachener Str. 86
50389 Wesseling